Jira und Confluence ablösen: Migration zu OpenProject und XWiki
Atlassian beendet Data Center 2029. So migrieren Sie Jira nach OpenProject und Confluence nach XWiki, einzeln oder mit openDesk, und behalten die Kontrolle.
Atlassian beendet Jira und Confluence als Data Center: Seit dem 30. März 2026 bekommen Neukunden keine Lizenzen mehr, ab dem 30. März 2028 können auch Bestandskunden nicht mehr erweitern, und am 28. März 2029 werden die Installationen schreibgeschützt. Danach bleibt im Wesentlichen nur die Atlassian Cloud. Wer Projektarbeit und Wissen weiter selbst steuern will, findet in OpenProject und XWiki zwei etablierte Open-Source-Ziele. Für beide gibt es Migrationswerkzeuge, den Jira Migrator von OpenProject allerdings noch als Beta. Sie lassen sich einzeln einführen oder als Teil von openDesk. Geplant werden sollte jetzt, solange Data Center noch Sicherheitsupdates bekommt.
Was Atlassian angekündigt hat
Atlassian stellt seine Data-Center-Produkte ein. Betroffen sind Jira Software, Jira Service Management, Confluence und Crowd sowie die Marketplace-Apps dafür, nicht dagegen Bitbucket und Bamboo. Die Server-Varianten werden bereits seit dem 15. Februar 2024 nicht mehr unterstützt.
- 30. März 2026Kein Neukauf mehrNeukunden können Jira und Confluence Data Center nicht mehr kaufen.
- 30. März 2028Letzter AusbauBestandskunden können zuletzt Nutzer erweitern und Apps kaufen, danach nur noch verlängern.
- 28. März 2029End of LifeDie Instanzen werden schreibgeschützt, Sicherheitsupdates entfallen.
Seit dem 30. März 2026 können Neukunden kein Data Center mehr kaufen. Bestandskunden können bis zum 30. März 2028 noch Nutzer erweitern, upgraden und Apps kaufen, danach nur noch im bestehenden Umfang verlängern. Am 28. März 2029 endet auch das: Die Daten bleiben lesbar, neue Einträge sind nicht mehr möglich, und Sicherheitsupdates gibt es keine mehr. Eine verlängerte Wartung stellt Atlassian nur im Einzelfall in Aussicht. Der vorgesehene Weg für alle anderen ist die Atlassian Cloud.
Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist
Bis 2029 klingt nach viel Zeit. Drei Gründe sprechen trotzdem dafür, jetzt zu planen:
- Ab April 2028 wächst Data Center nicht mehr mit: Neue Nutzer oder Apps lassen sich dann nicht mehr dazukaufen.
- Der Jira Migrator von OpenProject liest nur Jira Data Center, nicht Jira Cloud. Wer zwischendurch in die Atlassian Cloud geht, verliert diesen Weg.
- Bestandsaufnahme, Testmigration, Pilot und Umstellung in Wellen brauchen in der Regel mehr als ein Jahr, vor allem, wenn mehrere Teams betroffen sind.
Warum das eine Frage der Souveränität ist
Mit Data Center konnten Sie Jira und Confluence im eigenen Rechenzentrum oder bei einem Dienstleister Ihrer Wahl betreiben. In der Cloud entscheidet der Anbieter über Betrieb, Updatetakt und Preise.
Dazu kommt der Rechtsraum: Die Muttergesellschaft Atlassian Corporation sitzt seit 2022 in Delaware (USA). Nach dem CLOUD Act können US-Behörden einen US-Anbieter zur Herausgabe von Daten verpflichten, die er kontrolliert, unabhängig vom Speicherort. Eine EU-Datenresidenz in der Atlassian Cloud ändert daran nichts. Auch Sondervarianten wie die Government Cloud betreibt Atlassian selbst.
In Jira und Confluence steckt viel, was nicht nach außen gehört: Projektstände, interne Abläufe, Störungen, Konzepte, Betriebsdokumentation. Für Behörden, Betreiber kritischer Infrastrukturen und viele Mittelständler ist die Frage, wer diese Systeme kontrolliert, deshalb mehr als eine Lizenzfrage.
| Atlassian Cloud | OpenProject & XWiki | |
|---|---|---|
| Betrieb | Atlassian betreibt, als SaaS | Sie selbst oder ein Dienstleister Ihrer Wahl |
| Rechtsraum | US-Anbieter, CLOUD Act gilt auch bei EU-Datenresidenz | Betriebsort frei wählbar, etwa Deutschland; Hersteller in Berlin und Paris |
| Updates | Zeitpunkt und Änderungen bestimmt der Anbieter | Sie bestimmen den Zeitpunkt der Updates |
| Kosten | Abo, Preise legt der Anbieter fest | Open Source ohne Lizenzgebühr, Enterprise-Funktionen optional |
| Ausstieg | Kein Atlassian-Produkt mehr für eigenen Betrieb; der Jira Migrator liest Jira Cloud derzeit nicht | Open Source, Daten in eigener Datenbank, Betreiberwechsel möglich |
Die Alternativen: OpenProject und XWiki
OpenProject ist eine Open-Source-Software für Projektmanagement: Arbeitspakete, Boards, Gantt-Diagramme, Zeiterfassung, agile und klassische Projekte. Entwickelt wird sie von der OpenProject GmbH in Berlin. XWiki ist eine Open-Source-Wissensplattform mit strukturierten Seiten, Versionierung, fein steuerbaren Rechten und Erweiterungen, entwickelt von der XWiki SAS in Paris.
Beide sind feste Module von openDesk, dem souveränen Arbeitsplatz des Zentrums für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDiS). Sie lassen sich aber genauso einzeln betreiben. Für zusätzliche Funktionen und Herstellersupport gibt es jeweils kommerzielle Ausbaustufen, OpenProject Enterprise und XWiki Pro.
Für Jira Service Management gibt es in OpenProject kein direktes Gegenstück. Hier braucht es ein eigenes Service-Desk-System, etwa das Open-Source-Helpdesk Zammad.
Die Migrationswege im Überblick
Für beide Umzüge gibt es Werkzeuge, die die Kerndaten übertragen: Projekte und Vorgänge samt Verlauf, Seiten samt Versionen und Anhängen. Was sie nicht abdecken, wird im Zielsystem neu eingerichtet.
- Jira Data CenterVersion 10.x oder 11.x
- Jira Migratorvon OpenProject, derzeit als Beta
- OpenProjectArbeitspakete, Boards, Gantt
- ConfluenceXML-Export eines Space oder der Site
- Confluence-ImportOpen Source oder Confluence Migrator Pro
- XWikiSeiten, Historie, Anhänge, Rechte
Jira nach OpenProject: der Jira Migrator
OpenProject bietet einen eigenen Jira Migrator an. Er liest die Daten aus Jira aus, laut OpenProject bleibt die Jira-Instanz dabei unverändert. Stand Oktober 2026 übernimmt er:
- Projekte mit Projektkennungen und Versionen
- Vorgänge als Arbeitspakete, mit Beschreibung, Verlauf, Kommentaren und Anhängen
- Status und Vorgangstypen
- einen Teil der benutzerdefinierten Felder
- die beteiligten Benutzer und Gruppen
Noch nicht übertragen werden Verknüpfungen zwischen Vorgängen und Sprint-Zuordnungen (laut OpenProject in Arbeit) sowie projektbezogene Workflows, Berechtigungen und Schemas. Diese Teile richten Sie in OpenProject neu ein.
Für die Planung wichtig: Der Migrator unterstützt Jira Data Center in den Versionen 10.x und 11.x, Jira Cloud dagegen nicht. OpenProject kennzeichnet ihn in der Dokumentation noch als Beta und empfiehlt ihn für Testumgebungen. Gestartet wird er in der OpenProject-Administration. Er braucht einen Personal Access Token mit Administratorrechten in Jira und eine Netzwerkverbindung von OpenProject zu Jira. Jeder Lauf lässt sich vor der Freigabe prüfen und zurücknehmen, danach nicht mehr, deshalb gehört vorher ein Backup von OpenProject dazu. Für eine produktive Umstellung heißt das: Testmigration, Ergebnis prüfen, nacharbeiten, erst dann der finale Lauf. Ältere Jira-Versionen werden vorher aktualisiert, oder es braucht einen anderen Weg.
Confluence nach XWiki: zwei Wege
Beide Wege gehen vom XML-Export aus Confluence aus, entweder für einzelne Spaces oder für die gesamte Site:
- Der Open-Source-Weg nutzt das XWiki-Modul Confluence XML zusammen mit dem Filter Streams Converter. Das funktioniert, ist aber mehrstufig und verlangt Handarbeit, etwa bei Seitenhierarchien und Makros.
- Der Confluence Migrator Pro der XWiki SAS führt durch den Import und übernimmt Seiten mit Historie, Anhänge, Labels, Kommentare und Blogbeiträge, aus einem Site-Export auch Benutzer, Gruppen und Rechte. Er ist Teil des kostenpflichtigen Confluence Migration Toolkits.
Die größte Baustelle sind Makros. Viele Standardmakros übersetzt der Migrator, Makros aus Marketplace-Apps in der Regel nicht. Der Inhalt bleibt dann erhalten, die Darstellung muss nachgearbeitet werden. Eine Bestandsaufnahme der genutzten Makros gehört deshalb an den Anfang.
Einzeln oder als Teil von openDesk?
Sie müssen nicht alles auf einmal umstellen. Zwei Wege sind üblich:
- Einzeln: OpenProject und XWiki ersetzen Jira und Confluence direkt, angebunden an Ihr Active Directory oder Ihren Identity Provider. Die übrige Umgebung bleibt, wie sie ist.
- Mit openDesk: OpenProject und XWiki sind dort bereits integriert, zusammen mit Dateiablage, Office, E-Mail, Chat und Videokonferenzen, mit einer Anmeldung und einem gemeinsamen Portal.
Beide Wege schließen sich nicht aus. Wer zunächst nur Jira und Confluence ablöst, verbaut sich openDesk nicht: Dort laufen dieselben Produkte, und die Daten lassen sich später in die openDesk-Instanzen übernehmen. Konfiguration, Anmeldung und Versionsstand werden dabei an openDesk angepasst. Umgekehrt lässt sich die Atlassian-Ablösung in eine größere Umstellung einbetten, etwa zusammen mit einer Migration von Microsoft 365 zu openDesk.
Wo Kosten entstehen
Die Community-Versionen von OpenProject und XWiki kosten keine Lizenzgebühr. Kosten entstehen trotzdem, nur an anderer Stelle:
- Betrieb: eigene Server oder ein Hoster, Backups, Updates und Überwachung
- optionale Enterprise- und Pro-Funktionen samt Herstellersupport
- Werkzeuge wie das Confluence Migration Toolkit
- Begleitung bei Bestandsaufnahme, Migration und Schulung
So gehen Sie vor
- Bestandsaufnahme anhand der Checkliste unten.
- Zielbild festlegen: einzeln oder mit openDesk, eigener Betrieb oder gehostet in Deutschland, Anbindung an Verzeichnisdienst und Single Sign-on.
- Testmigration mit echten Daten in einer getrennten Umgebung.
- Nacharbeit planen: Workflows, Berechtigungen, Sprints, Makros und Verknüpfungen zu anderen Systemen.
- Pilot mit einem Team, danach Umstellung in Wellen.
- Schulung der Teams und ein klarer Stichtag, ab dem nur noch im neuen System gearbeitet wird.
Was den Aufwand bestimmt
Wie viel Arbeit eine Migration macht, hängt weniger an der Datenmenge als an der Sonderlogik. Treiber sind vor allem:
- eigene Workflows, Felder und Berechtigungsschemas in Jira
- Marketplace-Apps und deren Makros in Confluence
- Integrationen, etwa mit CI/CD, Service Desk oder Zeiterfassung
- der Anteil an Altbestand, der wirklich mit umziehen muss
Je näher eine Installation am Standard ist, desto mehr erledigen die Werkzeuge. Die Testmigration zeigt früh, wo es hakt.
Checkliste für den Start
- Welche Jira- und Confluence-Versionen laufen, und wann endet Ihre aktuelle Laufzeit?
- Welche Marketplace-Apps und Makros sind im Einsatz, und welche werden wirklich genutzt?
- Wie viele Projekte, Spaces, Nutzer und Anhänge gibt es?
- Welche Workflows, Felder und Berechtigungsschemas sind eigens angepasst?
- Welche Systeme hängen an Jira und Confluence?
- Wer betreibt künftig: eigenes Rechenzentrum, Dienstleister in Deutschland oder openDesk?
Quellen
- Atlassian: Data Center End of Life (abgerufen Oktober 2026)
- Atlassian: Server End of Support FAQ
- Atlassian: Abschluss der Redomizilierung in die USA (3. Oktober 2022)
- CLOUD Act, 18 U.S.C. § 2713
- OpenProject: Migrating from Jira to OpenProject (Stand 30. September 2026) und Jira Migrator
- XWiki: Import from Confluence
- XWiki Store: Confluence Migrator Pro
- openDesk: Produktübersicht
Nächster Schritt
Netpage begleitet bereits erste Kunden auf diesem Weg: von der Bestandsaufnahme über Testmigrationen bis zum Betrieb von OpenProject und XWiki, einzeln oder als Teil von openDesk. Wenn Sie den Zeitplan bis 2029 in Ruhe angehen wollen, sprechen Sie uns an.